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SÜDWEST PRESSE Alb Bote Münsingen vom 11.07.2011

"I hau nix gega Städter - amol nix, was hilft"
"Saubachkome.de" in der Ruine Hohenstein

Mit witzigen Sketchen und schwäbischen Absonderlichkeiten schoss sich die "Saubachkome.de" zum Auftakt der Kulturveranstaltungen in der Ruine Hohenstein auf die bestens gelaunten Besucher ein.

Maria Bloching

Hohenstein. Warum auch sollten sich die acht vielfach talentierten Komödianten der "Saubachkome.de" aus Schemmerhofen auch mit so unwichtigen Dingen wie hochdeutsch oder anständigen Moralvorstellungen abgeben? Sie wissen doch ganz genau, auf was es wirklich ankommt und was den Besuchern gefällt: Verherrlichung schwäbischer Eigenheiten, Ausflüge in witzig-ironische Wortakrobatiken, Demonstration von naiver Tollpatschigkeit, unverkrampftes Plaudern aus dem Nähkästchen und eine Darbietung erstklassiger handgemachter Musik von hohem Niveau.

All dies bekamen die zahlreichen Comedy-Besucher am Freitagabend auf der Ruine Hohenstein inmitten einer wunderschönen Kulisse und umrahmt von Kerzen- und Fackelschein unter bewölktem, aber doch überwiegend trockenem Nachthimmel geboten. In ihrem ganz eigenen Charme undWortwitz jonglierten die Akteure auf der Bühne mit urschwäbischen Ausdrücken und Verwechslungstaktiken hin und her, sie ließen teilhaben an urkomisch abstrusen und querdenkerischen Verwicklungen des wahren Lebens im Schwabenländle, stempelten "d’Städter" als Mitleid bedürftige Randgruppierung ab ("I hau nix gega d’Städter – amol nix, was hilft") und machten auch vor dem ehrenwerten Beamten-Berufsstand nicht halt.


Ein echter Publikumsliebling: Schorsch auf Frauensuche, der via Visitenkarte eine passende Kandidatin ausfindig machen will.(Foto: Maria Bloching)

"Stressig und nervenaufreibend" ist schließlich das Dasein eines Standesbeamten angesichts der heutigen Kommerzialisierung bei der Namensgebung: "Colgate Viagra Heinzelmann!" – "des isch doch gar ed so schlecht, no woiß ma wenigschtens, wo des Kend herkommt!".

Und natürlich ist da noch das kleine Problem mit dem schwäbischen Dialekt oder vielmehr mit der hochdeutschen Sprache: "Mir kennet doch älles – au hochdeutsch". Sorry, nicht ganz, wie die Verständigung urschwäbischer Einwohner mit einem Straßensucher aus der Stadt deutlich machte. Die Konversation nahm zur Begeisterung des Publikums absonderliche Ausmaße an, führte zu grotesken Wortverdrehungen und zu einer verunglimpften Vermischung von schwäbisch und hochdeutsch.

Auch mit dem Englischen haben so manche Schwaben scheinbar ernsthafte Probleme. Woher sollten auch Mütterchen und Väterchen Wissen, was ihr braver Sohn Richard am Computer beim "Downloaden" wirklich macht und dass diese Freizeitbeschäftigung nun aber auch rein gar nichts mit Sex zu tun hat. Immer wieder taten sich wahre Abgründe auf, sowohl verbal als auch auf musikalischer Ebene begeisterten die Komödianten das Publikum.

Mit ihren einfallsreichen und gesanglich äußerst niveauvollen Einlagen trafen sie stets den richtigen Ton, insbesondere der "klampfenquälende" Musikproduzent Egon Hagel beeindruckte durch eine tolle Singstimme, die auch höchste Soprantöne erreichen konnte, sowie durch sein virtuelles Gitarrenspiel. Immer wieder riss die musikalische Truppe zum Mitsingen und Mitklatschen ein, so auch die "BeeGees" bzw. "BeHas"-Darbietung der drei Brüder Alwin, Edgar und Egon Hagel, die in tollen Kostümen und mit bewundernswerten Tanzdarbietungen glänzten.

Alle Saubachkome.de-Akteure spielten mit starker Bühnenpräsenz, mit natürlichem und ungezwungenem Humor und viel Herz. Schnell wurde Markus Burkhardt als altlediger "Schorschi" zum Publikumsliebling, als er sich auf der Suche nach der richtigen Frau in die Menge begab, um Visitenkarten zu verteilen. Michael "Michel" Ogger dagegen präsentierte sich nur scheinbar als unschuldiger Jüngling, seine Zweideutigkeit setzte sich dann aber immer mehr durch und kam an. Oliver "Oli" Burkhardt ist der Zurückhaltende im Team, der aber hier und da knochentrocken, wenn man es am wenigsten erwartete, einen komischen Einwurf wagte.

Klara Urbansky und Melanie Traub waren nicht nur für die entsprechende Frauenquote zuständig, sondern bereicherten die männerlastige Comedy-Gruppe enorm. "Des Beschde isch a Schwoba-Frau" hielten sie dem Lied über den "Schwoba Ma, der älles ka" mutig entgegen. Erst nach mehreren Zugaben durften sich die Komödianten von der Bühne verabschieden. "Mir kommet wieder, vielleicht send bis dona au dia Wänd verputzt".



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